Sara Zlanabitnig, Cordula Bösze Duo, Konzert Laurenzikirche am 28.6.2026

Foto © M.Dietl


NÖN Artikel von Michael Dietl:

Der Verein Kukon („Kunst kontaminiert“) lud zu einem Konzert der besonderen Art in die Laurenzikirche.
„Wir leben in einer lauten Zeit, und doch ereignet sich Entscheidendes im Leisen“, stellte Organisator Dietmar Glatz zu Beginn des Konzertes fest, „so etwa das Ziehen der Luft, der Atem des Lebens“. Diesem spürten Cordula Bösze und Sara Zlanabitnig mit Querflöten verschiedener Größe in einem improvisierten Dialog – ohne Noten – nach.
Zu Beginn ein ganz leiser Hauch, wie der Wind, der um die Ecke fährt. Der Anteil des Pfeifgeräusches verdichtet sich, gewinnt an Höhe. Dazu ein zweiter, nun definierter Pfeifton, der sich immer wieder überschlägt, abbricht, pulsiert, spuckende Ansatzgeräusche, kurze Stöße, Glissandi, wachsende und enger werdende Akkorde...
Das Spiel begann im nicht einsehbaren Raum hinter dem Hochaltar, fand eine Zeit lang im Altarraum statt, dann näherten sich die Musikerinnen dem Publikum, Sara bestieg die Kanzel, Cordula den Chorumgang. Beide musizierten übereinander stehend.
Seit zwei Jahren als Duo unterwegs
Die beiden Flötistinnen, die studierte Künstlerinnen sind, haben einander schon vor langer Zeit kennengelernt, wie Sara Zlanabitnig erzählt: Für ihre Masterarbeit über „Unkonventionelle und experimentelle Flötenmusik“ interviewte sie Cordula. Seit zwei Jahren bespielen sie als Duo die verschiedensten Räume. Dabei „ist dieser historische Kirchenraum mit seiner besinnlichen Stimmung, der tollen Akustik und den verschiedenen Ebenen schon ganz besonders“.
Am liebsten improvisieren sie frei. Manches wird zu Hause probiert. Für den Abend in der Laurenzikirche bereitete man den Ablauf im Raum vor. So wurden die tiefen Flöten auf dem Chorumgang, die hohen zu ebener Erde gespielt.
Wichtig sei es, immer wieder sich einstellende Muster bewusst zu durchbrechen, entscheidend, gut zuzuhören, und das zu ergänzen, was gerade nötig sei. „Oft spielen wir auch ganz unversehens denselben Ton“, lacht Sara.
Glockenklang und Publikumsbeteiligung
Was Improvisation als „Spiel mit dem Zufall“ wirklich bedeutet, zeigte sich, als die Glocke der altehrwürdigen Kirche zum Abendgebet rief: Die massiven, klaren und verhallenden Schläge umspannten sie mit zarten Girlanden perlender Töne, der Dialog wird zum Dreigespräch.
Gegen Ende wurden auch die Zuhörer Teil der Komposition: Vor dem Konzert verteilte Wasserflaschen wurden auf ein Zeichen geöffnet, zum Teil ausgetrunken, und dann begannen alle, nach Kräften ein klingendes Pfeifen auf ihrem „Instrument“ zum allgemeinen Klanggeschehen beizusteuern.
Das Publikum dankte mit langem Applaus. Im Anschluss gab es so manches Gespräch mit den Künstlerinnen. Wer wollte, durfte sich zum Ausklingen des Abends einem gemeinsamen Essen in einem nahen Lokal anschließen.

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