Wortkreationen "Kukon, Embravalenz, Transnormation"
Sprache formt Wirklichkeit.
Mit den Wortkreationen KUKON, EMBRAVALENZ und TRANSNORMATION entwickle ich Begriffe, die nicht nur beschreiben, sondern Denkbewegungen ermöglichen. Sie markieren drei aufeinanderfolgende Schritte im Umgang mit einem gesellschaftlichen Wandel, der unausweichlich geworden ist: den Übergang zu einer Post-Wachstumsgesellschaft.
Die Begriffe sind als Kofferwörter angelegt. Sie verbinden bestehende Bedeutungen zu neuen gedanklichen Werkzeugen — weil vertraute Sprache oft nicht mehr ausreicht, um gegenwärtige Transformationen zu erfassen.
1. KUKON – Kunst kontaminiert
KUKON steht für „Kunst kontaminiert“.
Der Begriff beschreibt Kunst nicht als reinen, abgeschlossenen oder autonomen Raum, sondern als etwas, das unweigerlich durch gesellschaftliche, politische und kulturelle Wirklichkeiten durchdrungen ist — und diese zugleich beeinflusst.
„Kontamination“ wird hier bewusst positiv verstanden: als Vermischung, Durchlässigkeit und wechselseitige Berührung. Kunst ist niemals neutral oder rein; sie trägt Spuren ihrer Zeit und wirkt zugleich auf Wahrnehmung und Denken zurück.
KUKON richtet sich damit gegen Reinheitsfantasien — sowohl in der Kunst als auch in gesellschaftlichen Ordnungsmodellen. Es benennt die kulturelle Tendenz, Komplexität zu reduzieren und Eindeutigkeit herstellen zu wollen. Gerade dieses Festhalten an klaren Kategorien erzeugt jedoch eine Blockade gegenüber notwendigem Wandel.
KUKON markiert daher den Ausgangspunkt: die Einsicht, dass weder Kunst noch Gesellschaft außerhalb von Verflechtungen existieren. Alles steht bereits in Beziehung.
2. EMBRAVALENZ - Ambivalenz annehmen
Embravalenz verbindet embrace (annehmen, umarmen) mit Ambivalenz.
Der Begriff beschreibt eine innere und gesellschaftliche Verhaltensänderung: die Fähigkeit, Widersprüche nicht aufzulösen, sondern bewusst auszuhalten.
Zwischen Gewissheit und Ungewissheit entsteht ein Raum, in dem neue Perspektiven möglich werden.
Embravalenz bedeutet, Mehrdeutigkeit nicht als Verlust von Orientierung zu erleben, sondern als Voraussetzung von Erkenntnis und Kreativität.
Hier verschiebt sich der Fokus: Nicht mehr Kontrolle steht im Zentrum, sondern Wahrnehmung. Veränderung beginnt mit einer veränderten Haltung gegenüber dem Unvertrauten.
3. TRANSNORMATION – Veränderung der Normen
Transnormation verbindet Transformation mit Norm.
Der Begriff beschreibt den Schritt, in dem Veränderung nicht nur individuell erfahren, sondern gesellschaftlich wirksam wird.
Wenn Ambivalenz akzeptiert wird, können bestehende Normen überprüft und neu gestaltet werden. Transnormation meint keinen abrupten Umbruch, sondern einen Prozess, in dem sich Werte, Maßstäbe und Formen des Zusammenlebens schrittweise wandeln.
Es geht nicht darum, alte Strukturen einfach zu ersetzen, sondern neue Orientierungssysteme zu entwickeln, die Vielfalt, Begrenztheit und gegenseitige Abhängigkeit berücksichtigen — zentrale Bedingungen einer Post-Wachstumsgesellschaft.
Die Reihenfolge
Die drei Begriffe bilden bewusst eine Abfolge:
KUKON — erkennt das Festhalten am Alten und durchbricht die Idee der Reinheit.
Embravalenz — verändert die Haltung gegenüber Unsicherheit und Widerspruch.
Transnormation — ermöglicht reale gesellschaftliche Veränderung.
Sie beschreiben keinen linearen Plan, sondern eine Denkbewegung:
vom Erkennen der Verflechtung über die innere Öffnung hin zur strukturellen Transformation.
Intention
Die Wortkreationen sind künstlerische und begriffliche Interventionen.
Sie sollen Wahrnehmung verschieben, Gesprächsräume öffnen und Sprache als Werkzeug gesellschaftlicher Vorstellungskraft nutzbar machen.
Denn gesellschaftlicher Wandel entsteht aus einer veränderten Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit, die politische Maßnahmen überhaupt erst möglich macht.